Geschichte


Gründung

Die Kunstgeschichtliche Gesellschaft zu Berlin wurde im Jahr 1887 durch Wilhelm von Bode, damals Assistent der Gemäldegalerie, ab 1890 deren Direktor, gegründet. Ihm zur Seite standen dabei Friedrich Lippmann, Direktor des Kupferstichkabinetts, und Robert Dohme, Hausbibliothekar Kaiser Wilhelms I., gleichzeitig Direktor der Kunstsammlungen des preußischen Königshauses.

Max Liebermann, Porträt Wilhelm (von) Bode, 1904
Max Liebermann, Porträt Wilhelm (von) Bode, 1904

Aufgaben und Ziele

Das Ziel war die Schaffung einer wissenschaftlichen Gesellschaft in enger Verbindung mit den Königlichen Museen, die damals nicht zuletzt aufgrund der Tätigkeit von Bodes Weltgeltung erlangten. „Kunsthistoriker, Kunstfreunde und Sammler Berlins“ sollten sich in der Gesellschaft in regelmäßig stattfindenden Sitzungen zu „kunstgeschichtlichen Vorträgen, Mitteilungen über Kunstversteigerungen und allerlei aktuelle Fragen“ versammeln. Die Kunstgeschichtliche Gesellschaft zu Berlin, der schon bald alle Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker von Rang sowie zahlreiche Sammler und kunstinteressierte Laien angehörten, informierte neben Vorträgen über die Kunstgeschichte der Nachantike einschließlich der islamischen Reiche auch über Neuerwerbungen der Museen und Neuerscheinungen auf dem Publikationssektor. Des Weiteren veranstaltete sie um 1900 bedeutende Ausstellungen. 

Grete Ring und Alfred Flechtheim in Berlin, um 1932, Foto: Privatbesitz
Grete Ring und Alfred Flechtheim in Berlin, um 1932, Foto: Privatbesitz

1933–1945

Ihre besondere Prägung erfuhr sie in der Zeit bis 1933 durch Gelehrte wie Max J. Friedländer, Adolph Goldschmidt, Heinz Ladendorf, Erwin Panofsky, Wilhelm Vöge, Aby Warburg und Heinrich Wölfflin. Ein Höhepunkt in der Geschichte der Gesellschaft war die am 17. Januar 1933 veranstaltete Festsitzung anlässlich des 70. Geburtstags von Adolph Goldschmidt.

 

Unter den besonders hervorzuhebenden Personen gehört insbesondere die Berliner Kunsthistorikerin und außerordentlich erfolgreiche Kunsthändlerin Grete Ring, die spätestens 1919 Mitglied wurde und während ihrer gesamten Zeit in Berlin blieb. Die Nichte des Malers Max Liebermann schloss ihr Studium der Kunstgeschichte 1912 mit der Promotion bei Heinrich Wölfflin in München ab. Als Mitarbeiterin der Berliner Nationalgalerie erwarb sie umfangreiche Sammlungen von etwa Carl Gustav Carus, Anselm Feuerbach, Caspar David Friedrich, Friedrich Overbeck, Adolph Menzel und Max Liebermann. Zu Beginn der 1920er-Jahre wechselte sie zum renommierten Berliner Kunstsalon Cassirer, wo sie bis 1935 Ausstellungen kuratierte, Katalog- und Fachartikel verfasste und mit Kunst handelte. 1926, nach dem Freitod Paul Cassierers, übernahm sie gemeinsam mit Walter Feilchenfeldt die Leitung der Kunsthandlung, bevor sie 1935 als Jüdin über Amsterdam nach London emigrierte. Sie starb 1952.*

 

Bis heute sind die Jahre der nationalsozialistischen Tyrannei nicht restlos erschlossen und werden derzeit (Stand: Mai 2026) in einem Forschungsprojekt aufgearbeitet. Nach vorläufiger Aktenlage gereicht es der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin jedoch zur Ehre, dass es ihr in der Folgezeit bis in die Kriegsjahre hinein gelang, ihr wissenschaftliches Programm in Distanz zur herrschenden Ideologie fortzuführen.

 

* Rahel E. Feilchenfeldt: Grete Ring als Kunsthistorikerin im Exil, in: Grenzen Überschreiten. Frauen, Kunst und Exil, hrsg. v. Ursula Hudson-Wiedenmann und Beate Schmeichel-Falkenberg,  Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, S. 131–150 sowie Grete Ring. Kunsthändlerin der Moderne, hrsg. v. d. Liebermann-Villa am Wannsee, Lucy Wasensteiner und Viktoria Krieger, Sandstein 2023 und Christiane Meixner: Grete Ring: Die unterschätzte Galeristin, in: Weltkunst, Nr. 221, 11.12.2023, https://www.weltkunst.de/kunsthandel/2023/12/die-unterschaetzte-galeristin-grete-ring-liebermann-villa-berlin (letzter Zugriff: 08.05.2026)

Adolph Goldschmidt (1863–1944)
Adolph Goldschmidt (1863–1944)

Neugründung

Anfang 1952 wurde die Kunstgeschichtliche Gesellschaft in West-Berlin durch Ernst Kühnel, Direktor der Islamischen Sammlung, Friedrich Winkler, Direktor des Kupferstichkabinetts, und Edwin Redslob, Reichskunstwart in der Weimarer Republik und Mitbegründer der Freien Universität, erneut ins Leben gerufen. Auch in der Nachkriegszeit wurde sie bis heute in ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung von hervorragenden Persönlichkeiten der Berliner Kunstgeschichte geprägt – zu nennen wären hier insbesondere, neben den erwähnten Neugründern, Paul Ortwin Rave, Hans Kauffmann, Cornelius Müller Hofstede, Peter Bloch, Fedja Anzelewsky, Helmut Börsch-Supan, Reiner Haussherr und Hartmut Krohm. 

 

Während der Trennung Deutschlands war es der Gesellschaft nicht möglich, Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker aus dem Ostteil der Stadt wie aus der früheren DDR einzuladen. Erst mit der Wiedervereinigung 1989 konnten die Verbindungen aller Museen und den Universitäten wieder geknüpft und damit die Berliner Kunstgeschichte gespiegelt werden. Bis dahin tagte die Gesellschaft im früheren Vortragsraum der Museen in der Dahlemer Takustraße und war institutionell der Freien Universität angeschlossen. 

 

Die Kunstgeschichtliche Gesellschaft zu Berlin, die sich nach wie vor den zahlreichen musealen Institutionen der deutschen Hauptstadt eng verbunden fühlt, aber auch immer wieder Brücken zu den Hochschulen schlägt, bietet derzeit vier Kuratorenführungen durch Sonderausstellungen, die Vorstellung hochrangiger Neuerwerbungen für die Museen sowie wissenschaftliche Vorträge im Jahr an. Zu sämtlichen Veranstaltungen sind Gäste herzlich willkommen. 


 

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