6. Juli, Gobelin-Saal des Bode-Museums, 18.00 Uhr

Peter Stephan, Potsdam: Das Nationaldenkmal als Vollendung des Berliner Schlosses und Teil der Museumsinsel

Die Westfassade des Berliner Schlosses und das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal
Die Westfassade des Berliner Schlosses und das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal

Von 1892-1897 errichteten der Architekt Gustav Halmhuber und der Bildhauer Reinhold Begas vor der Westfassade des Berliner Schlosses das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal, das sechzig Jahre später zusammen mit dem Schloss abgerissen wurde. 

Wie der Vortrag zeigen will, besaß das Denkmal eine eminent wichtige städtebauliche Bedeutung. Halmhubers Kolonnaden und Begas’ Figurenschmuck griffen die Schlossarchitektur Schlüters und Eosanders ganz bewusst auf und verankerten sie motivisch und ikonographisch innerhalb des Stadtraums. In gewisser Weise fand der Jahrhunderte währende Ausbau des Schlosses im Nationaldenkmal sogar seinen krönenden Abschluss. Zugleich ergaben sich zahlreiche Bezüge zur Architektur und zum Denkmalbestand der Berliner Altstadt, der Straße Unter den Linden und der Museumsinsel. Mehr als alle anderen Monumente setzte das Nationaldenkmal den Berliner Stadtraum, die Museumsbauten und das Schloss zueinander in Beziehung. Die Bedeutung des Schlosses als historischer Nukleus Berlins wurde auf diese Weise noch erfahrbarer.

Eduard Gaertner, Königsbrücke und Königskolonnaden, vom Ufer der Königsstadt aus gesehen, 1835, Stiftung Stadtmuseum Berlin
Eduard Gaertner, Königsbrücke und Königskolonnaden, vom Ufer der Königsstadt aus gesehen, 1835, Stiftung Stadtmuseum Berlin
Blick über die Lange Brücke mit dem Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten auf das Berliner Schloss
Blick über die Lange Brücke mit dem Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten auf das Berliner Schloss

Daher scheint der Wiederaufbau des Schlosses auch eine Wiederherstellung des Nationaldenkmals nahezulegen, zumindest in reduzierter Form (vereinfachte Kolonnaden ohne Reiterstandbild). Doch welche Botschaft ginge von solch einer Teilrekonstruktion aus? Besäßen die Kolonnaden neben der städtebaulichen auch eine programmatische Bindegliedfunktion? Könnten sie gar zu einem Einheits- und Freiheitsdenkmal werden, das angemessen an die demokratische Revolution von 1989 erinnert?

Prof. Dr. Peter Stephan ist seit 2013 Professor für Geschichte der Architekturtheorie an der Fachhochschule Potsdam. Nach seinem Studium in Freiburg, Heidelberg und Würzburg wurde er 1996 mit einer Dissertation zum Thema „Im Glanz der Majestät des Reiches. Die Schönbornsche Reichsidee in den Tiepolofresken der Würzburger Residenz“ promoviert.  2005 habilitierte er sich mit der Schrift „Der vergessene Raum. Die dritte Dimension der Fassadenarchitektur der Frühen Neuzeit“ an der Universität Freiburg, an der er 2012 zum außerplanmäßigen Professor für Kunstgeschichte ernannt wurde. Er war Initiator und Mitarbeiter mehrerer Forschungsprojekte, unter anderem des Projekts der Gerda Henkel Stiftung „Stadtraum als Heilige Landschaft. Rom unter Sixtus V.“. 

Kai Kappel, Berlin: Die Gartenstadt Falkenberg – ein Laboratorium der Moderne

Die Führung in der Gartenstadt Falkenberg fällt leider aus und wird zu einem späteren Termin nachgeholt.

Die Gartenstadt Falkenberg ist ein frühes Hauptwerk Bruno Tauts. Sie entstand 1913 bis 1916 und ist wegen der damaligen Zeitläufte Fragment geblieben. Gleichwohl verraten uns die ausgeführten Häuser, Straßenzüge und Plätze, die weitläufigen Gärten, das hoch reflektierte Bepflanzungskonzept Ludwig Lessers und die hier zum Ausdruck kommende Bereitschaft, Farbe als neues Ornament einzusetzen, viel über die in England entwickelte Gartenstadt-Idee, die Anliegen der Reformbewegung um 1900 und die persönliche Prägung Tauts. Letzterer hatte lange Zeit zwischen Künstlertum und Architektenberuf geschwankt. Die europaweit verbreiteten, im Idealfall konsequent genossenschaftlich organisierten Gartenstädte zielten auf eine umfassende Neudefinition menschlichen Zusammenlebens. Damit zählen sie zu den nachhaltigsten gestalterischen Konzepten des 20. Jahrhunderts. Die Gartenstadt Falkenberg, von der Denkmalpflege auf mustergültige Weise wiederhergestellt, verweist in mehreren Aspekten auf die Berliner Großwohnungssiedlungen der 1920er-Jahre, weshalb sie wie diese Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. 

Die Führung bietet die Möglichkeit, die Vielschichtigkeit und Sensibilität eines solchen Gartenstadt-Konzepts aus nächster Nähe zu erleben und zu diskutieren. Treffpunkt ist um 17.00 Uhr im Akazienhof, 12524 Berlin (etwa 10 Minuten entfernt vom S-Bahnhof Grünau); Dauer: ca. 2,5 Stunden.

Prof. Dr. Kai Kappel hat am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin  seit 2012 die Professur für die Geschichte der Architektur und des Städtebaus inne. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Mittleren und Neueren Geschichte an den Universitäten Mainz, Heidelberg und Bonn wurde er 1993 mit einer Dissertation mit dem Titel „S. Nicola in Bari und seine architektonische Nachfolge. Ein Bautypus des 13.-17. Jahrhunderts in Unteritalien und Dalmatien“ promoviert. Seine Habilitationsschrift verfasste er zum Thema „Memento 1945? Kirchenbau aus Kriegsruinen und Trümmersteinen in den Westzonen“. Von 1993 bis 1999 war er Mitarbeiter am Forschungsprojekt des Kunsthistorischen Instituts in Florenz „Die Kirchen von Siena“.