19. Mai, Studienfahrt nach Gotha mit Besichtigung des Schlossmuseums

Mit Schwerpunkt auf der Sammlung von Ostasiatica und der Skulpturen von Jean Antoine Houdon

Anlässlich der Studienfahrt nach Gotha, zu der Mitglieder und Gäste herzlich eingeladen sind, werden Kernbereiche der dortigen weltberühmten Sammlungen, die Abteilung der Ostasiatica und die Skulpturenhalle mit den Arbeiten des bedeutendsten Bildhauers der Aufklärung, Jean-Antoine Houdon, besichtigt. 

Ein Höhepunkt ist auch der Besuch der zu diesem Zeitpunkt stattfindenden  Sonderausstellung mit einzigartigen Werken französischer Malerei aus dem Staatlichen Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin in Moskau. Durch die Sammlungsgebiete und die Sonderausstellung führen die Kuratorin Ute Däberitz und der Kurator und stellvertretende Direktor Abt. Wissenschaft und Sammlungen Dr. Timo Trümper.

Zu den Ostasiatischen Sammlungen

Kasten für das Duftspiel mit Darstellung der Heiligen Stätten in den Kii-Bergen und dem Berg Fuji im Hintergrund, mit Einsatztablett und Spielmarken Holz, Schwarzlack und Streutechniken in Gold und Silber Japan, späte Edo-Zeit, Mitte 19. Jh.
Kasten für das Duftspiel mit Darstellung der Heiligen Stätten in den Kii-Bergen und dem Berg Fuji im Hintergrund, mit Einsatztablett und Spielmarken Holz, Schwarzlack und Streutechniken in Gold und Silber Japan, späte Edo-Zeit, Mitte 19. Jh.

Das Sammeln fernöstlicher Kostbarkeiten besitzt in Gotha eine mehr als 350jährige Tradition. Bereits in den ersten Friedensteinischen Kunstkammerinventaren aus der Mitte des 17. Jahrhunderts  sind unter der Rubrik „Fremder Nationen Rüstungen, Kleider und Geräte“ Objekte ostasiatischen Ursprungs angeführt. Unter Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676-1732) erfuhren die ostasiatischen Bestände in quantitativer wie auch qualitativer Hinsicht beachtlichen Zuwachs. Der kunstsinnige Gothaer Regent war ein Zeitgenosse Augusts des Starken und wie dieser ebenfalls ein passionierter Sammler ostasiatischer Porzellane.

Doch nicht nur das weiße Gold aus China und Japan übte eine besondere Faszination auf den Gothaer Herzog aus. Auch für das Yixing-Steinzeug, welches seit dem 17. Jahrhundert aus der chinesischen Provinz Jiangsu nach Europa exportiert wurde, hegte Herzog Friedrich II. eine große Sammelleidenschaft. Zudem erwarb er im Jahr 1712 von Graf Anton Günter II. von Schwarzburg-Arnstadt (1653-1716) etwa 140 chinesische Specksteinfiguren der späten Ming-Zeit, die in der Kunstkammer Aufstellung fanden.

Teekanne mit Dekor von Bilchen zwischen Weinranken Steinzeug mit europäischer Goldbronzemontierung China, Yixing, Provinz Jiangsu; Qing-Zeit, 18. Jh.
Teekanne mit Dekor von Bilchen zwischen Weinranken Steinzeug mit europäischer Goldbronzemontierung China, Yixing, Provinz Jiangsu; Qing-Zeit, 18. Jh.

An der Wende des 18. zum 19. Jahrhunderts ließ der ab 1804 regierende Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822) im Westturm des Schlosses Friedenstein ein „Chinesisches Cabinet“ einrichten, das zur damaligen Zeit neben den Londoner Ostasiensammlungen als bedeutendste Einrichtung seiner Art in Europa galt. Herzog August tätigte umfangreiche Neuerwerbungen, die ihm zu einem großen Teil von dem gebürtigen Gothaer Joseph Meyer (1796-1856) vermittelt wurden. Der spätere Verleger und Begründer des weltbekannten Bibliographischen Instituts war von 1817 bis 1820 in einem Londoner Exportgeschäft tätig und erwarb im englischen Kunsthandel zahlreiche Objekte für das „Chinesische Cabinet“ seines Landesherrn. Als Herzog August im Jahr 1822 verstarb, umfasste die Sammlung 2232 Objekte.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr der Japanbestand des 1879 eröffneten Herzoglichen Museums äußerst qualitätvolle Neuzugänge. Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (reg. 1893-1900), ein Sohn der englischen Königin Victoria und des Prinzgemahls Albert v. S.-C. u. G., übereignete dem Museum mehr als 40 bedeutende Japan-Lacke, die er als britischer Admiral während eines Japan-Aufenthaltes im Jahr 1869 vom Tennô als Geschenke erhalten hatte. Auch der Gothaer Chinabestand wurde während der Regierungszeit Herzog Alfreds um exzellente Stücke erweitert. Im Jahr 1896 erwarb das Herzogliche Museum die bedeutende Sammlung altchinesischer Keramik von Prof. Dr. Friedrich Hirth (1845-1926).

Daoistische Unsterbliche Magu auf einem Löwen Speckstein (Steatit) mit Resten einer farbigen Fassung China, 17. Jh.
Daoistische Unsterbliche Magu auf einem Löwen Speckstein (Steatit) mit Resten einer farbigen Fassung China, 17. Jh.

In der Zeit der Nachkriegswirren 1945/46 wurden den Gothaer Kunstsammlungen äußerst schmerzhafte Verluste zugefügt. Auch die Ostasiatischen Bestände waren davon betroffen. So umfassen die Sammlungen heute lediglich noch etwa 1760 Objekte, darunter ca. 400 Porzellane, 380 chinesische Figuren und Gefäße aus Speckstein, 300 Japan-Lacke, 400 graphische Blätter sowie einen kleinen Bestand an Textilien, Fächern und Varia.

Mit der Neueröffnung des Herzoglichen Museums Gotha im Oktober 2013 wurde für die Spitzenwerke der Gothaer China- und Japan-Sammlung eine angemessene und dauerhafte Präsentationsmöglichkeit geschaffen.

Die Gothaer Werke Jean-Antoine Houdons

Jean-Antoine Houdon Luperkalienpriester, 1768
Jean-Antoine Houdon Luperkalienpriester, 1768

Ein weiterer Höhepunkt des Herzoglichen Museums Gotha ist die Sammlung von Werken des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon (1741-1828), welche nach der des Louvre in Paris die größte und bedeutendste ist. Der kunstsinnige Herzog Ernst II. Ludwig von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745-1804) gehörte durch die Vermittlung des in Paris ansässigen Aufklärers Friedrich Melchior Baron von Grimm zu Houdons ersten Auftraggebern. Während seiner beiden Aufenthalte in Gotha schuf Houdon neben dem Mausoleumsprojekt auch zahlreiche  Porträtreliefs und -büsten der herzoglichen Familie. Im Juli 1772, anlässlich der Thronbesteigung  Ernsts II., übersandte Houdon allein sechzehn seiner frühesten Werke in Gips dem Herzog, darunter so berühmte Skulpturen wie der Heilige Bruno oder die Figur des Priesters der Lupercalia. Die enge und langjährige Verbundenheit zwischen Herzog Ernst II. und Houdon machten Gotha zum künstlerischen Zentrum der Aufklärung in Deutschland. Die reiche und qualitätvolle Kollektion an Werken Houdons im Besitz der Stiftung Schloss Friedenstein sind ein beredtes Zeugnis dieser außergewöhnlichen Freundschaft.

Jean-Antoine Houdon, Muskelmann (Écorchè) mit ausgestrecktem Arm, 1767
Jean-Antoine Houdon, Muskelmann (Écorchè) mit ausgestrecktem Arm, 1767
Jean-Antoine Houdon, Der Heilige Bruno, 1766/67
Jean-Antoine Houdon, Der Heilige Bruno, 1766/67

Bei seinen Porträts verstand es Houdon hervorragend, das Wesen des Dargestellten einzufangen. Um sein hohes künstlerisches Ziel zu erreichen, bediente er sich einiger Elemente sowohl der antiken als auch der barocken Plastik. Aus Anlass der Renovierung des Museumsgebäudes wurden diese Meisterwerke restauriert. Dabei wurden mehrere Übermalungen abgetragen, sodass nun erstmals wieder die ursprüngliche, sensible Farbfassung zum Vorschein kommt.

Die Sonderausstellung: Das Puschkin-Museum Moskau zu Gast: Meisterwerke der französischen Kunst

Eine Kooperation zwischen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und dem Staatlichen Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau

Seit 2010 intensivieren sich die Kontakte zwischen Gotha und Moskau. Dabei entstanden Ideen gemeinsamer Ausstellungsprojekte. Zunächst wurde 2016 in Moskau eine Ausstellung zum Werk Lucas Cranachs d. Ä. und seiner Werkstatt gezeigt. Im Fokus der Schau standen die Werke aus Gotha. Darunter fielen sowohl die seit 1946 kriegsbedingt in Moskau befindlichen Gemälde sowie ein Teil der heute in Gotha befindlichen Hauptwerke – die Friedensteinsche Cranach-Sammlung war somit für einen historischen Augenblick wiedervereint. Die Ausstellung erwies sich als ein überwältigender Erfolg: Mit weit über 200.000 Besucher wurde sie eine der erfolgreichsten Sonderausstellungen seit Jahren, in den russischen Medien wurde sie geradezu gefeiert.

Die Moskauer Ausstellung konnte aus rechtlichen Gründen nicht in Deutschland gezeigt werden. Um dennoch die Verbundenheit zwischen den beiden Museen und den beiden Ländern zum Ausdruck zu bringen, werden in der in Vorbereitung befindlichen Sonderausstellung Meisterwerke der französischen Kunst – darunter Werke von François Boucher, Claude Lorrain, Nicolas Poussin, Hubert Robert, Charles Le Brun und Jacques-Louis David – nach Gotha entsendet. Viele der Kunstwerke sind noch nie in Deutschland gezeigt worden. Diese Ausstellung findet vom 14. Mai bis 13. August 2017 im Herzoglichen Museum Gotha statt.

Wichtige Informationen: 

Interessierte sind gebeten, ihre Teilnahme bis zum 12. Mai 2017 verbindlich bei Frau Buller, Sekretariat der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft, anzumelden.

Telefon: 030-266-42-5531,  

E-Mail: anmeldung@kunstgeschichtliche-gesellschaft-berlin.de

Im Fall der An- und Abreise mit der Bahn besorgen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Bahntickets (eventuell jetzt noch zu Sondertarifen erhältlich) selbst. Der Beginn der Führungen ist um 10.00 Uhr (Ende der Veranstaltung um 17.00 Uhr; es steht auch Zeit für eine weitere individuelle Besichtigung zur Verfügung).

Auch Gäste sind herzlich willkommen!