
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Bredekamp
23. April 2026, um 18:00 Uhr
Kunstgewerbemuseum am Kulturforum
Michelangelos Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle in Rom sind durchweg von den Szenen der Schöpfungsgeschichte her gedeutet worden. Da diese in die fiktive Architektur eines griechischen Tempels eingespannt sind, liegt es jedoch näher, die Fresken zunächst von ihren architektonischen Strukturen her zu verstehen. Bei einem solchen Vorgehen treten Figuren in das Blickfeld, die unmittelbar zur Architektur gehören, als solche aber zumeist übersehen wurden. Gerade diese aber verkörpern, so die These des Vortrages, Michelangelos Version einer Schöpfungsgeschichte, die auch als eine Philosophie lebendiger Materie gedeutet werden kann.
Horst Bredekamp wurde 1974 in Kunstgeschichte an der Universität Marburg promoviert. Nach seiner Museumstätigkeit am Frankfurter Liebieghaus lehrte er ab 1976 als Assistent und ab 1982 als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg. Seit 1993 ist er Professor am Institut für Kunst- und Bildgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit 2019 Senior-Sprecher des Excellenzclusters "Matters of Activity“. Er ist Mitglied von sechs wissenschaftlichen Akademien sowie des Ordens Pour le mérite (seit 2014). Als Autor von mehr als 30 Büchern und über 700 Artikeln hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Sigmund Freud-Preis (2001), den Aby M. Warburg-Preis (2005), den Max-Planck-Forschungspreis (2006), den Schiller-Preis (2017) sowie zuletzt die Ehrenpromotion in Philosophie der Universität Turin. Seit 2025 ist er Cavaliere della Republica Italiana.

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