Lena Rebekka Rehberger, Leipzig: Karl Friedrich Schinkels gusseiserne Grabmalkunst

Karl Friedrich Schinkel: Entwurf zum Grabmal der Familie von Klinggräff, um 1815, Gouache, Feder in Schwarz, über Vorzeichnung mit Zirkel © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
Karl Friedrich Schinkel: Entwurf zum Grabmal der Familie von Klinggräff, um 1815, Gouache, Feder in Schwarz, über Vorzeichnung mit Zirkel © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz

Zum herausragenden Œuvre des preußischen Architekten und Künstlers Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) gehört eine Anzahl von Entwurfszeichnungen, die Grabmale oder Mausoleumsbauten zeigen. Dabei bildet seine Grabmalkunst nicht nur einen wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens, sondern stellt auch allein aufgrund ihrer Fülle und Vielseitigkeit im Vergleich zur Tätigkeit anderer herausragender Architekten der Zeit – wie zum Beispiel Leo von Klenze (1784–1864) oder Friedrich Weinbrenner (1766–1826) – eine Besonderheit dar.

Tafel mit Grabmal von Sack (links) und dem Grabmal Roestel (rechts), Magazin von Abbildungen der Gusswaren aus der Königlichen Eisengießerei zu Berlin, Heft 3, Berlin 1819, Taf. 4
Tafel mit Grabmal von Sack (links) und dem Grabmal Roestel (rechts), Magazin von Abbildungen der Gusswaren aus der Königlichen Eisengießerei zu Berlin, Heft 3, Berlin 1819, Taf. 4

Die meisten von Schinkels Grabmalentwürfen, von denen später viele zur Ausführung gelangten, lassen sich zeitlich seiner Hauptschaffensphase zurechnen, die mit seiner Tätigkeit an der Technischen Oberbaudeputation Berlin von 1810 bis 1840 zusammenfällt. Einen wichtigen Teil bilden dabei Grabmonumente aus Gusseisen, die er individuell für wohlhabende Auftraggeber aus der Oberschicht Preußens oder den preußischen König Friedrich Wilhelm III. gestaltete. Diese Grabmale wurden in der Königlichen Eisengießerei zu Berlin hergestellt und zeichnen sich durch eine neuartige und einmalige Transformation von antiken oder historischen Formen und Motiven in das Material Gusseisen aus.

Grabmal für Ludwig Matthias Nathanael Gottlieb von Brauchitsch auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin, Detail Stelenaufsatz, Aufnahme 2009 © Lena Rebekka Rehberger
Grabmal für Ludwig Matthias Nathanael Gottlieb von Brauchitsch auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin, Detail Stelenaufsatz, Aufnahme 2009 © Lena Rebekka Rehberger

Einige der von Schinkel individuell für die einzelnen Verstorbenen gestalteten Grabmale aus Gusseisen wurden in der Folge mehrfach produziert und mit leichten Abänderungen auf die jeweiligen Kunden zugeschnitten. Neben an der römischen oder griechischen Antike orientierten Grabmonumenten, die von ihm vor allem während der Zeit der Befreiungskriege als individuelle Grabzeichen entworfen worden waren und für die sich bis in die 1830er Jahre eine große Nachfrage feststellen lässt, wurden insbesondere Grabkreuze über einen längeren Zeitraum hinweg bestellt und als moderne, bestmögliche Form der Memoria angesehen.

Grabmal für den Königlichen Geheimen Kriegsrat Matthias Gottfried Zeihe, historische Fotografie © Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
Grabmal für den Königlichen Geheimen Kriegsrat Matthias Gottfried Zeihe, historische Fotografie © Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz

Im Vortrag werden einige Entwürfe für gusseiserne Grabmale genauer analysiert, und es wird aufgezeigt, dass Schinkel eine Vorreiterrolle zukommt, kann doch die vielfache Herstellung von individualisierten Güssen nach seinen Entwürfen als Vorwegnahme der seriellen Grabmalproduktion der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesehen werden.

Lena Rebekka Rehberger studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie an der Freien Universität Berlin und wurde anschließend an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation über die Grabmalkunst Karl Friedrich Schinkels promoviert.