Kuratorinnenführung durch Bettina Held in der Ausstellung „bauen und wohnen. Die Geschichte der Werkbundsiedlungen“

Werkbundsiedlung „Baba“ des Tschechoslowakischen Werkbunds. Prag 1928-1932
Werkbundsiedlung „Baba“ des Tschechoslowakischen Werkbunds. Prag 1928-1932

Mit dem Projekt der Werkbundstadt Am Spreebord in Berlin stellt sich der Werkbund – fast einhundert Jahre nach Stuttgart-Weißenhof – erneut der Frage nach der architektonisch angemessenen Form eines Wohnquartiers. Frühere Werkbundsiedlungen gelten längst als Wegmarken der Architekturgeschichte. Als experimentelle Wohnsiedlungen mit Muster- und Vorbildcharakter wurden sie seit den späten 1920er-Jahren vor allem im deutschsprachigen Raum bzw. in dessen unmittelbarer Nachbarschaft realisiert, um modellhafte Antworten auf die drängende Frage nach einem zeitgemäßen Wohnen und Bauen zu finden. Mit der berühmten Weißenhof-Siedlung (1925-1927) in Stuttgart, der Brünner Kolonie „Nový Dům“ (1927/28), der Siedlung Grüneiche in Breslau (1927-1929) sowie den Werkbundsiedlungen in Zürich-Wollishofen (1928-1932), Prag (1928-1932) und Wien-Lainz (1929-1932) entspricht ihre geographische Verbreitung der Verbreitung des Werkbund-Gedankens in Europa. Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg und dann schon im Zeichen der Postmoderne hat man wieder den Titel einer „Werkbundsiedlung“ beansprucht. Gebaut wurden mit dem „Dörfle“ in Karlsruhe (1978-1992) und der Werkbundsiedlung Am Ruhrufer in Oberhausen-Alstaden (1984-1989) allerdings nur zwei der zahlreichen Planungen.

Arbeiterwohnhaus für Industriearbeiter, Architekt Fritz Becker. „Neues Niederrheinisches Dorf“ auf der Werkbundausstellung, Köln 1914
Arbeiterwohnhaus für Industriearbeiter, Architekt Fritz Becker. „Neues Niederrheinisches Dorf“ auf der Werkbundausstellung, Köln 1914
Werkbundhäuser im „Dörfle“, Deutscher Werkbund Baden-Württemberg. Karlsruhe 1978–1992
Werkbundhäuser im „Dörfle“, Deutscher Werkbund Baden-Württemberg. Karlsruhe 1978–1992

Die Ausstellung zeigt den Weg von der Werkbundsiedlung zur Werkbundstadt, indem sie realisierte Werkbundsiedlungen sowie – mit dem Niederrheinischen Dorf auf der Kölner Werkbundausstellung von 1913/14 und der Gartenstadt Dresden-Hellerau (1908-1913), deren Entstehung mit der Gründung des Werkbunds vielfach verbunden war – zwei ihrer Vorläufer in den Fokus nimmt.

Dr. Bettina Held, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Vorbereitung der Ausstellung maßgeblich beteiligt, ist Leiterin der Geschäftsstelle des Kaiser Friedrich-Museums-Vereins, des Fördervereins der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung in Berlin. Aufgrund ihrer Forschungstätigkeit gilt sie als eine ausgewiesene Kennerin der europäischen Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts.

Ausstellungsort: WerkBundHaus Quedlinburger Straße 11 in Charlottenburg.