Helmut Barsch-Supan, Berlin: Innenwelt und Außenwelt bei Carl Blechen. Gedanken zu einem neuen Werkverzeichnis

Dämonische Landschaft, um 1826. Reproduktion nach Ausst. Kat. Berlin 1990, Carl Blechen zwischen Romantik und Realismus
Dämonische Landschaft, um 1826. Reproduktion nach Ausst. Kat. Berlin 1990, Carl Blechen zwischen Romantik und Realismus

Hugo von Tschudi nannte im Einleitungstext zu der berühmten Jahrhundert-Ausstellung deutscher Kunst 1906 Carl Blechen eine „fesselnde, wenn auch beunruhigende Erscheinung“ und meint, er habe „es noch zu keinem Stil gebracht, obwohl ihm das Streben nach Stil im Blute liegt“. Damit spielt Tschudi auf die Kürze der Schaffenszeit Blechens (ca. 1822-ca. 1838) an, vernachlässigt aber die Persönlichkeitsstruktur, um statt dessen eine Rolle in einer auf die eigene Zeit  zulaufenden Entwicklung zu betonen. Blechen als ein Menzel vor Menzel ist immer noch ein beliebtes Schlagwort.

Die von dem Maler ausgehende Faszination ist ungebrochen, seine künstlerische Potenz ist unbezweifelbar, aber das vermeintliche Fehlen eines geradlinig sich entwickelnden Stils hat bis heute nicht zu einer chronologisch geordneten Werkübersicht und einer ihr entsprechenden inneren Biographie geführt. Unklarheit hat viele irrige Zuschreibungen von Werken der Nachahmer zur Folge gehabt. Als  Vorarbeit zu einem dringend benötigten Werkverzeichnis, das den 1940 im zweiten Jahr des Zweiten Weltkriegs übereilt herausgebrachten Œuvrekatalog ersetzt, ist eine auf Quellen gestützte Geschichte des Sammelns und Verstehens von Blechens Kunst erforderlich.

Waldlichtung, um 1837. Reproduktion nach Ausst. Kat. Berlin 1990, Carl Blechen zwischen Romantik und Realismus
Waldlichtung, um 1837. Reproduktion nach Ausst. Kat. Berlin 1990, Carl Blechen zwischen Romantik und Realismus

In einer Einleitung und einer Abschlussbetrachtung werden das rasche Aufblühen seiner Kunst um 1826 und ihre Problematik nach der Rückkehr aus Italien 1829 beleuchtet.

Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, bis zum Eintritt in den Ruhestand Kustos und Stellvertretender Direktor der Berliner Schlösserverwaltung, ferner Honorarprofessor an der Freien Universität, zählt zu den herausragenden Kennern der Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts in den deutschsprachigen Ländern. Sein besonderes wissenschaftliches Interesse gilt Caspar David Friedrich, dessen Werkverzeichnis er erarbeitete und publizierte. Über einen langen Zeitraum gehörte er dem Vorstand der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin an.