Führung durch Christine Waidenschlager in der neu eröffneten Modegalerie des Kunstgewerbemuseums

Zwei halbversteifte Mieder und ein vollversteiftes Korsett, Frankreich, 1720-1760, Kunstgewerbemuseum SMB, Foto: Stephan Klonk
Zwei halbversteifte Mieder und ein vollversteiftes Korsett, Frankreich, 1720-1760, Kunstgewerbemuseum SMB, Foto: Stephan Klonk

Im November 2014 ist es endlich soweit, nach fast dreijähriger Schließungszeit erfolgt die Wiedereröffnung des Kunstgewerbemuseums am Kulturforum mit Berlins erster Mode-Dauerausstellung „Mode-Kunst-Werke“. Neben den inhaltlich neu konzipierten Ausstellungsbereichen Jugendstil/Art Déco und Design werden auf 900 m2 zukünftig 130 Kostüme vom frühen 18. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert zu sehen sein. Roben à la française und à l’anglaise, reich bestickte Herrenanzüge und Westen aus dem 18. Jahrhundert illustrieren die galante Mode des Rokoko. Neben dem eleganten „Darüber“ wird auch das starre „Darunter“ gezeigt: ein weit ausschwingender Reifrock und vollversteifte Korsette waren das unbedingte „must“ zur Erzielung der angestrebten Silhouette mit zurückgenommenen Schultern und geradem Rücken über einer schmalen Taille. Diese vom französischen Adel geprägte Kleidung wird von den „Moden der Freiheit“ abgelöst, zarte Kleider aus weißer Baumwolle, die erstmals auf stützende und einengende Unterkleidung verzichteten.

Aus dem 19. Jahrhundert mit seiner Vielfalt unterschiedlichster modischer Formen zeigt das Museum Biedermeierkleider mit überbreiten Keulenärmeln, weite, erneut vom Reifrock gestützte Krinolinenroben und hoch über dem Gesäß aufgetürmte Modelle in Cul-de-Paris-Linie. Mit S-förmig geschwungenen, vom Jugendstil inspirierten Kostümen und Promenadenkleidern klingt das Jahrhundert aus. Natürlich wird auch für dieses Jahrhundert die passende Unterkleidung präsentiert: eine Stahlreifenkrinoline, „Thomson‘s favorite oft he Empress“ ergänzt von hauteng angepassten Korsetten.

Die Frauenkleidung des 20. Jahrhunderts wird illustriert von einem Who is Who der bedeutendsten Modedesigner, die mit charakteristischen Stücken vertreten sind: Plisséekleider von Mariano Fortuny, das kleine Schwarze von Coco Chanel, ein Cocktailkleid im New Look von Christian Dior, Yves Saint Laurents Trapezlinie, Cristóbal Balenciaga’s kühne Konstruktionen, Plisséekleider von Madame Grès, ein Fourreaukleid mit Sicherheitsnadeln zusammen gehalten von Gianni Versace, um nur einige zu nennen. Diese fulminante Schau wird ergänzt von einer ebenso reichen Fülle passender Accessoires: Hüte, Fächer, Taschen und Schuhe vom 18. bis 20. Jahrhundert, die parallel in speziellen Vitrinen gezeigt werden.

Christine Waidenschlager ist als Kustodin am Berliner Kunstgewerbemuseum tätig und betreut dort die Textilsammlung.