30. Juni, Gobelin-Saal des Bode-Museums, 18.30 Uhr

Sandra Kriebel, Leipzig: Leihausstellungen der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin 1890–1898. Wissenschaftlicher Anspruch und didaktische Gestaltung

Die Kunstgeschichtliche Gesellschaft gehörte zu denjenigen Institutionen, die am Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin sogenannte Leihausstellungen organisierten und damit das kulturelle Geschehen der Reichshauptstadt maßgeblich mitbestimmten. Diese Ausstellungen präsentierten als ‚ephemere Museen‘ überwiegend Gemälde, Plastiken und Kunsthandwerk aus Privatbesitz, die für wenige Wochen als Leihgaben bereitgestellt und in diesem Kontext häufig zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurden. Sie dienten so der Sichtbarmachung und Erforschung bislang größtenteils unbekannter Werke der Alten Meister. Weiterhin versuchten die Initiatoren dieser Ausstellungen kunsthistorische Inhalte und Zusammenhänge geschlossen darzustellen, um so auf Bildung und Geschmack des Publikums wie auch der zeitgenössischen Künstlerschaft einzuwirken. So erarbeitete die Kunstgeschichtliche Gesellschaft unter der Leitung Wilhelm Bodes ein konsequentes Ausstellungsprogramm, das einen umfassenden Überblick über die bevorzugten Sammelgebiete der Berliner Connaisseurs wie James Simon, Adolf von Beckerath oder Oskar Hainauer gab.

Der Vortrag wird die Beispiele der 1890er-Jahre als Teil eines ausstellungsgeschichtlichen Phänomens in den Blick nehmen und der Frage nach ihren jeweiligen Organisations- und Inszenierungsstrategien nachgehen. Es soll untersucht werden, wie diese Privatbesitzausstellungen didaktisch gestaltet waren und ob sie einem konkreten Forschungs- oder Bildungsanspruch folgten. Zugleich soll ein Einblick in das im späten 19. Jahrhundert europaweit verbreitete, bislang jedoch kaum erforschte Ausstellungsformat gegeben werden.

Sandra Kriebel M. A. forscht über die Ausstellungen der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin im Rahmen ihres Dissertationsvorhabens an der Humboldt-Universität Berlin. Sie ist Mitarbeiterin und Koordinatorin des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Lehrprojektes  Leipziger Sammlungsinitiative am Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, an dem sie auch als Dozentin mit dem Schwerpunkt auf den universitären Sammlungen lehrt.